Simon Gaedicke, Maren Sommer, André Burchard

Intervallfasten – Moderne Ernährungsmedizin mit Potenzial

Das Intervallfasten, insbesondere die 16:8-Methode, hat sich von einem Ernährungstrend zu einem wissenschaftlich fundierten Therapieansatz entwickelt. Als diabetologische Schwerpunktpraxis möchten wir Ihnen einen Überblick geben, was diese Ernährungsweise leisten kann und worauf dabei zu achten ist.

Was ist Intervallfasten?

Intervallfasten (auch intermittierendes Fasten oder "Time-Restricted Eating" genannt) beschreibt Ernährungsformen, bei denen sich **Essenszeiten und Fastenphasen** regelmäßig abwechseln. Die häufigsten Varianten sind:

- **16:8-Methode**: Nahrungsaufnahme innerhalb von 8 Stunden, 16 Stunden Fasten 

- **5:2-Methode**: An zwei Tagen pro Woche stark reduzierte Kalorienzufuhr 

- **Alternierendes Fasten**: Abwechselnd Fastentage und normale Esstage 

Im Gegensatz zu klassischen Diäten steht nicht primär die Kalorienmenge im Vordergrund, sondern die **metabolische Wirkung der Esspausen**.

Der zirkadiane Rhythmus – Warum Essenspausen wichtig sind

Kern des Intervallfastens ist die lange Fastenphase, idealerweise über Nacht. Diese beruht auf den Erkenntnissen des **zirkadianen Rhythmus des Stoffwechsels**. Unsere Zellen haben einen natürlichen Rhythmus, in dem die Nahrungsverwertung optimal funktioniert. Das Sonnenlicht ist dabei der Taktgeber für unseren Körper und signalisiert auch den Verdauungsorganen, wann die Arbeitsschicht startet und wann Feierabend ist.

Wer ständig isst und vor allem spät am Abend noch Nahrung zu sich nimmt, bringt die Synchronität des Stoffwechsels aus dem Takt. Die Verdauungsorgane müssen dann Überstunden machen – physiologisch ist dies nicht vorgesehen und erhöht auf Dauer das Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Essenspausen geben dem Stoffwechsel die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und andere wichtige Aufgaben zu erfüllen, wie Zellreparatur und -erneuerung.

Wissenschaftlich belegte gesundheitliche Vorteile

Die Datenlage zu den medizinischen Benefits des Intervallfastens verbessert sich kontinuierlich. Studien zeigen positive Effekte auf:

- **Blutzuckerstoffwechsel**: Verbesserung der Insulinempfindlichkeit, Senkung von Nüchternblutzucker und HbA1c 

- **Fettstoffwechsel**: Reduktion des LDL-Cholesterins 

- **Körpergewicht**: Abbau von Bauchfett 

- **Entzündungsprozesse**: Reduktion chronischer Entzündungen, was für Menschen mit rheumatoiden Erkrankungen relevant sein kann 

- **Darmgesundheit**: Positive Effekte auf die Darmflora durch Essenspausen 

- **Longevity**: Dieser Aspekt wird aktuell noch intensiv erforscht 

Diese Effekte zeigen sich bereits nach einigen Wochen konsequenter Umsetzung.

Warum funktioniert Intervallfasten metabolisch?

Während längerer Esspausen sinkt der Insulinspiegel. Der Körper stellt vermehrt auf **Fettverbrennung** um, was zu einer Entlastung des Stoffwechsels führt. Dieser metabolische Wechsel trägt dazu bei, dass Insulin in Leber, Muskeln und Fettgewebe wieder besser wirkt – ein zentraler Therapieansatz insbesondere bei Typ-2-Diabetes, der durch Insulinresistenz gekennzeichnet ist.

Praktische Umsetzung

Studien zeigen, dass es weniger relevant ist, ob Sie das Frühstück oder das Abendessen weglassen. Essentiell ist, dass möglichst 16 Stunden Essenspause eingehalten werden und lediglich im 8-Stunden-Fenster gegessen wird. Natürlich sollte in diesen 8 Stunden gesund und ausgewogen gegessen werden – andernfalls hätte auch das Intervallfasten wenig positiven gesundheitlichen Nutzen.

**Wichtig zu wissen:**

- In den ersten Wochen kann es in der langen Essenspause zu stärkerem Hungergefühl kommen. Der Stoffwechsel stellt sich dann aber um, und das Hungergefühl nimmt ab. 

- Gelegentliche Ausnahmen – etwa ein spätes Abendessen oder ein Kinobesuch mit Snacks – revidieren die positiven Effekte nicht sofort, sollten aber Ausnahmen bleiben. 

- Intervallfasten sollte als langfristige Ernährungsweise praktiziert werden, nicht als kurzfristige Diät. 

Besondere Bedeutung bei Typ-2-Diabetes

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes kann Intervallfasten unter bestimmten Voraussetzungen eine **sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Therapie** sein. Dabei ist jedoch besondere Vorsicht geboten:

**Chancen:**

- In Einzelfällen Reduktion des Medikamenten- oder Insulinbedarfs \(unter ärztlicher Aufsicht\) 

- Verbesserung der Stoffwechsellage als Teil eines Gesamtkonzepts 

**Wichtige Sicherheitsaspekte:**

- Patienten mit Insulintherapie oder bestimmten Tabletten haben ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen 

- Eine Anpassung der Medikation ist vor und während des Fastens oft notwendig 

- Regelmäßige Blutzuckerkontrollen sind unerlässlich 

**Nicht geeignet** ist Intervallfasten unter anderem bei Schwangerschaft, Stillzeit, Essstörungen oder häufigen Hypoglykämien.

Fazit

Intervallfasten ist mehr als ein Ernährungstrend – es ist eine wissenschaftlich fundierte Ernährungsweise mit nachweisbaren gesundheitlichen Vorteilen. Ob diese Form der Ernährung für Sie geeignet ist und wie sie optimal umgesetzt werden kann, klären wir gerne gemeinsam in unserer Praxis.

**Sprechen Sie uns an**, wenn Sie Fragen zu Intervallfasten, Ernährungsmedizin oder moderner Diabetes- und Stoffwechselbehandlung haben. Wir beraten Sie gern individuell.

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